Priestersein ist kein Weg, auf dem man irgendwann „fertig ausgebildet“ ist. Mit der Priesterweihe beginnt vielmehr eine lebenslange Aufgabe: den eigenen Glauben, die persönliche Entwicklung und den pastoralen Dienst immer wieder neu mit den Herausforderungen der jeweiligen Zeit in Beziehung zu bringen.
Fortbildung bedeutet deshalb mehr als die Teilnahme an einzelnen Kursen. Sie gehört zum ganzen priesterlichen Leben.
Der wichtigste Lernort des Priesters ist sein konkreter Dienst. Begegnungen mit Menschen, Gespräche, Gottesdienste, Konflikte, Entscheidungen und neue pastorale Herausforderungen bringen immer wieder Erfahrungen hervor, die bedacht und reflektiert werden wollen.
Dabei helfen Fragen wie: Was habe ich erlebt? Was hat mich berührt oder herausgefordert? Was kann ich daraus lernen? Und was braucht es, damit mein Dienst den Menschen wirklich dient?
So wird der Alltag selbst zu einem Ort des Lernens und der persönlichen Entwicklung.
Ein Priester braucht Zeiten, in denen er nicht nur handelt und organisiert, sondern innehält und neu zu seiner Mitte findet.
Gebet, Eucharistie, Stille, geistliche Schriftlesung, geistliche Begleitung und Exerzitien können helfen, die eigene Beziehung zu Gott lebendig zu halten. Auch die regelmäßige Feier des Sakraments der Versöhnung und der Austausch mit anderen Priestern können wichtige Kraftquellen sein.
Geistliches Leben ist dabei kein Zusatz zum eigentlichen Dienst. Es bildet seine Grundlage.
Zum lebenslangen Wachstum gehört auch die menschliche Dimension. Wie gehe ich mit Belastungen um? Wie gestalte ich Beziehungen? Wie gehe ich mit Fehlern und Enttäuschungen um? Wo liegen meine Grenzen?
Supervision, Beratung oder psychologische Begleitung können in bestimmten Situationen hilfreich sein. Sie unterstützen dabei, sich selbst besser zu verstehen, Belastungen wahrzunehmen und mit neuen Herausforderungen verantwortungsvoll umzugehen.
Denn wer anderen Menschen nahe sein will, muss auch sich selbst immer wieder neu in den Blick nehmen.
Auch die Welt verändert sich. Gesellschaftliche Entwicklungen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse und kulturelle Veränderungen stellen Fragen, auf die Kirche immer wieder neu antworten muss.
Deshalb braucht ein Priester die Bereitschaft, weiterzulernen und den eigenen Horizont offen zu halten. Theologische Literatur, Fachzeitschriften, Fortbildungen, Studientage und der Austausch mit anderen helfen dabei, vertraute Fragen neu zu betrachten und neue Perspektiven zu gewinnen.
Priester tragen ihren Dienst nicht allein. Sie arbeiten mit haupt- und ehrenamtlich Engagierten sowie mit Menschen in unterschiedlichen pastoralen Berufen zusammen.
Die Zukunft der Kirche wird wesentlich davon abhängen, wie gut Menschen gemeinsam wahrnehmen, unterscheiden und entscheiden können. Dazu gehört die Bereitschaft, neue Wege kennenzulernen, von anderen zu lernen und auch schwierige Entscheidungen gemeinsam zu tragen.
Priesterliche Bildung bedeutet deshalb auch, offen für die Erfahrungen und Begabungen anderer zu bleiben und Kirche gemeinsam zu gestalten.
Lebenslange Fortbildung bedeutet letztlich, die eigene Berufung immer wieder neu zu leben.
Das am Tag der Weihe gesprochene „Adsum“ – „Ich bin bereit“ – gilt nicht nur für diesen einen Tag. Es wird im Alltag immer wieder neu konkret: in einer bestimmten Gemeinde, in einer bestimmten Aufgabe, in einer bestimmten Zeit und im Dienst an konkreten Menschen.
Priesterliche Bildung hat deshalb kein endgültiges Ende. Sie bleibt ein Weg des Lernens, Reifens und Glaubens – ein Leben lang.
Der Weg zur Priesterweihe hat ein Ziel – aber Berufung bleibt ein Weg.
