Der Spiritual ist vor allem für die geistliche Dimension der Priesterausbildung verantwortlich. Er ist Teil des Seminarkollegiums. Gemeinsam mit den anderen Ausbildungsverantwortlichen trägt er dazu bei, dass die Seminaristen ihren Glauben vertiefen und ihren Weg in der Nachfolge Christi gestalten können.
Der Spiritual unterstützt die Seminaristen dabei, Formen eines tragfähigen geistlichen Lebens zu entwickeln. Dazu gehören die bewusste Mitfeier der Liturgie, die Eucharistie, das Sakrament der Versöhnung, das persönliche Gebet, die Schriftbetrachtung, Stille, Anbetung und das Stundengebet.
Auch Exerzitien, Besinnungstage und andere geistliche Programmpunkte gehören zu seinen Aufgaben. Dabei geht es nicht darum, ein bestimmtes geistliches Leben vorzugeben. Vielmehr sollen die Seminaristen entdecken, welche Formen ihnen helfen, ihre Beziehung zu Gott zu vertiefen und ihren Alltag aus dem Glauben heraus zu gestalten, damit daraus eine für später tragfähige Spiritualität wachsen kann.
Der Spiritual eröffnet dabei auch einen Blick auf die Vielfalt der geistlichen Traditionen und Charismen der Kirche. So können die Seminaristen unterschiedliche Formen christlicher Spiritualität kennenlernen und ihren eigenen geistlichen Weg weiterentwickeln.
Ein wichtiger Teil des Weges der Priesterausbildung ist die geistliche Begleitung. Sie hilft dabei, die eigene Berufung wahrzunehmen, Erfahrungen im Licht des Glaubens zu betrachten und die persönliche Beziehung zu Christus zu vertiefen.
Dabei können auch persönliche Fragen und Herausforderungen zur Sprache kommen: die eigene Lebensgeschichte, Beziehungen, die zölibatäre Lebensform, Krisen, persönliche Grenzen und Begabungen oder die Frage, wie ein Leben als Priester konkret gestaltet werden kann.
Die geistliche Begleitung findet im geschützten Raum des sogenannten forum internum statt. Was dort besprochen wird, bleibt vertraulich und ist von der Ausbildungsleitung (Regens, Studienleitung, Formationspräfekt) getrennt.
Der Spiritual unterstützt die Seminaristen zudem darin, geistlich zu unterscheiden: Was trägt im eigenen Leben? Wo zeigen sich neue Wege? Welche Erfahrungen und Entwicklungen können im Licht des Glaubens verstanden werden? So lernen sie, ihre Berufung eigenverantwortlich und frei wahrzunehmen und offen für das Wirken des Heiligen Geistes zu bleiben.
Der Spiritual steht den Seminaristen als geistlicher Begleiter und Beichtvater zur Verfügung. Zugleich haben sie die Freiheit, aus einem Kreis der hierfür zugelassenen, geschulten und erfahrenen geistlichen Begleiterinnen und Begleiter für die Priesterausbildung eine Person auszuwählen, der sie sich anvertrauen möchten. Die geistliche Begleitung kann auch im Laufe der Ausbildung gewechselt werden, um neue Perspektiven einzuholen.
Diese Freiheit ist wichtig: Jeder Seminarist soll lernen, seine Berufung eigenverantwortlich und frei wahrzunehmen und sein geistliches Leben selbst zu gestalten.
Geistliches Leben geschieht nicht nur im persönlichen Gebet. Auch das Leben in der Seminargemeinschaft, die gemeinsame Liturgie und der Umgang miteinander haben eine geistlich prägende Bedeutung.
Deshalb geht es auch darum, die Fähigkeit zum geistlichen Austausch zu entwickeln, andere in ihrer Verschiedenheit anzunehmen und das gemeinsame Leben aus dem Glauben heraus zu gestalten. Der Spiritual begleitet die Gemeinschaft auch in diesen Fragen und trägt dazu bei, Wege zu einem guten Miteinander und zu einer Kultur des geistlichen Austauschs zu entwickeln.
So unterstützt der Spiritual die Seminaristen dabei, nicht nur die Frage nach der eigenen Berufung zum Priestertum zu klären, sondern immer tiefer in eine persönliche Christusnachfolge hineinzuwachsen.
