Rundgang durch die Kirche

Die Kirche entdecken

Ein Rundgang durch die Seminarkirche

Herzliche Einladung zum Rundgang auf eigene Faust – mithilfe Ihres Smartphones. Nehmen Sie sich Zeit, mit den folgenden Erklärungen die wichtigsten Orte und Ausstattungsstücke zu entdecken und ihre Zusammenhänge zu verstehen. Sie können die Texte einfach in der Gruppe vorlesen oder die Kirche ganz für sich erkunden.

Ein kleiner Hinweis: Der durch Kordeln abgegrenzte Chor- und Altarbereich darf nicht betreten werden. Bitte bleiben Sie außerhalb der Absperrung – auch dort gibt es viel zu sehen.

Viel Spaß beim Entdecken!

Was Sie in der Kirche erwartet

Die Seminarkirche zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit gehört zu den bedeutendsten Rokokokirchen in Mainz. Architektur, Skulpturen, Fresken und Ausstattung sind nicht unabhängig voneinander gestaltet: Sie bilden ein zusammenhängendes Bildprogramm, das von Maria, der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, der Erlösung durch Christus und dem Leben des heiligen Augustinus erzählt.

Der Rundgang führt Sie Schritt für Schritt durch diesen Zusammenhang. Achten Sie dabei nicht nur auf einzelne Kunstwerke, sondern immer wieder auch auf das große Ganze: Wie führen Architektur und Ausstattung den Blick? Welche Themen kehren an verschiedenen Stellen wieder? Und wie erzählen die Bilder gemeinsam die Geschichte des Glaubens?

1. Die Fassade – Ein erster Blick auf das Bildprogramm

Schon draußen von der Augustinerstraße aus erzählt die Kirche von ihrem Patrozinium und ihrer Geschichte.

Die Fassade aus rotem Mainsandstein ist reich mit Architektur und Skulpturen gestaltet. Ihr Vorbild sind römische Jesuitenkirchen, während die Detailformen deutlich vom süddeutschen und mainfränkischen Barock geprägt sind.

Schauen Sie nach oben

Über dem Portal ist die Krönung Mariens dargestellt. Christus erscheint mit dem Kreuz in der Hand, Gottvater und der Heilige Geist bilden darüber die Darstellung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit.

Begleitet wird die Szene von Engeln und Putten. Auch der heilige Augustinus und seine Mutter Monika sind an der Fassade zu sehen.

Die Skulpturen wurden um 1770 geschaffen. Ihr Bildprogramm verweist bereits auf die Themen, die im Inneren der Kirche wieder aufgenommen werden.

2. Durch das Portal – Vom Alltag in den Kirchenraum

Beim Betreten der Kirche verändert sich der Raumeindruck unmittelbar. Der helle Innenraum öffnet sich überraschend weit und führt den Blick durch das Langhaus auf den Hochaltar.

Die Architektur ist bewusst so gestaltet, dass die einzelnen Bereiche ineinander übergehen. Langhaus und Chor sind durch fließende Rundungen miteinander verbunden.

Schauen Sie nach vorn

Fast alle Linien des Raumes führen zum Hochaltar. Auch die Seitenaltäre, Beichtstühle und die übrige Ausstattung ordnen sich diesem Gesamteindruck unter.

Der Kirchenraum wirkt dadurch nicht wie eine Sammlung einzelner Kunstwerke, sondern wie ein bewusst komponiertes Ganzes.

3. Die Altarinsel – Liturgie heute

Wenn Sie nun auf die Mitte zwischen Langhaus und Chorraum achten, sehen Sie die heutige liturgische Mitte der Seminarkirche: eine zweistufige, runde, zungenförmige Altarinsel, die vor der historischen Chorschranke eingefügt wurde.

Auf ihr stehen der metallische Zelebrationsaltar und der dazu passende Ambo. Daneben befindet sich ein Stehkreuz desselben Künstlers und aus demselben Material. Die Gestaltung ist bewusst schlicht und zurückhaltend und fügt sich in den historischen Kirchenraum ein, ohne mit dessen Rokokoausstattung zu konkurrieren.

Die Altarinsel entstand im Zuge der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Der Chorraum wurde dadurch zur Gemeinde hin geöffnet und für die heutige Form der Liturgie erweitert. Der Altar ist von allen Seiten zugänglich und steht näher bei der Gottesdienstgemeinde; die Eucharistie wird von hier aus mit Blick auf die Gemeinde gefeiert.

So verbindet die Altarinsel die historische Gestalt der Seminarkirche mit ihrem heutigen Leben als Gottesdienstraum.

4. Der Hochaltar – Christus im Mittelpunkt

Hinter der neuen Altarinsel erhebt sich der historische, monumentale Hochaltar aus Stuckmarmor. Er bildet weiterhin einen zentralen Bezugspunkt des Kirchenraumes. Er ist als Baldachinaltar gestaltet und wird von korinthischen Säulen getragen.

Im Mittelpunkt steht die Kreuzesabnahme Christi. Die dramatische Darstellung orientiert sich am berühmten Gemälde von Peter Paul Rubens in der Kathedrale von Antwerpen.

Schauen Sie genauer hin

Links und rechts des Kreuzes erscheinen zwei Gestalten aus dem Alten Testament:

Abraham mit Isaak erinnert an die beinahe erfolgte Opferung seines Sohnes.

Melchisedek trägt die Opfergaben Brot und Wein.

Beide gelten als Vorausbilder des Opfers Christi.

„Consummatum est“ – Es ist vollbracht

Achten Sie auch auf die Inschrift „Consummatum est“ – „Es ist vollbracht“.

Mit diesen Worten beschreibt das Johannesevangelium den letzten Ausspruch Jesu am Kreuz (Joh 19,30). Die Kreuzesabnahme zeigt deshalb nicht nur den Tod Jesu, sondern verweist zugleich auf die Vollendung seines Erlösungswerkes: In Christus ist die Erlösung des Menschen vollbracht.

Diese Aussage wird in der Ausstattung des Hochaltars noch weiter entfaltet.

Über der Kreuzesabnahme erscheint die Allerheiligste Dreifaltigkeit. Zu Füßen Gottvaters zerreißt ein Putto den „Schuldschein der Menschheit“ (Kol 2,14). Das Bild macht sichtbar, was mit dem Tod Christi geschehen ist: Die Schuld des Menschen ist getilgt.

Auch der Tabernakel greift das Thema des Opfers auf: Auf ihm ist Christus als das Opferlamm auf dem Buch mit den sieben Siegeln dargestellt.

So führt der Hochaltar den Blick von Christi Kreuzestod zur Erlösung und schließlich zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit: Christus vollendet am Kreuz das Werk der Erlösung.

5. Der Blick nach oben – Die Welt der Fresken

Wer den Blick vom Hochaltar nach oben richtet, entdeckt das umfangreiche Freskenprogramm von Johann Baptist Enderle aus Donauwörth.

Die Fresken entstanden im 18. Jahrhundert und erzählen vor allem vom Leben und Wirken des heiligen Augustinus.

Besonders kostbar ist, dass die Deckenmalereien die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs nahezu unversehrt überstanden haben.

Im Chor

Über dem Hochaltar ist die Taufe des heiligen Augustinus dargestellt. Bischof Ambrosius von Mailand spendet ihm das Sakrament. Bei der Taufe sind unter anderem seine Mutter Monika, sein Freund Verecundus und sein Sohn Adeodatus zu sehen.

Über der Taufszene erscheint die Allerheiligste Dreifaltigkeit.

Im Langhaus

Das große Langhausfresko zeigt Augustinus in verschiedenen Rollen: als Kirchenlehrer, als Vater der Ordensleute, als Verteidiger des christlichen Glaubens und als „Schüler der Wahrheit“.

Im Zentrum befindet sich die Gottesmutter mit dem Jesuskind. Der heilige Augustinus kniet zu ihren Füßen.

Noch weiter schauen

In den Lünetten sind zwölf Ordensheilige dargestellt. Auf den Gewölbefüßen finden sich zwanzig Tugendallegorien in reich verzierten Rokokokartuschen.

Die verschiedenen Darstellungen verbinden das Leben des heiligen Augustinus mit der biblischen Heilsgeschichte.

6. Maria – Eine besondere Kostbarkeit

Auf der rechten Seite des Kirchenraumes befindet sich eine der ältesten und kostbarsten Ausstattungen der Kirche: eine gotische Marienstatue aus dem Jahr 1420.

Die etwa lebensgroße Lindenholzfigur zeigt Maria mit dem Jesuskind auf dem Schoß. Das Kind spielt mit einem Vogel. Die Figur ist ein herausragendes Beispiel des sogenannten „Weichen Stils“.

Eine bewegte Geschichte

Die Statue konnte 1793 aus der brennenden Liebfrauenkirche gerettet werden. Seitdem gehört sie zur Geschichte der Augustinerkirche.

Bis heute kommen Menschen hierher, um zu beten und eine Opferkerze anzuzünden. Auch Sie sind dazu herzlich eingeladen.

Für das Priesterseminar besitzt die Verehrung Marias eine besondere Bedeutung. Am 8. Dezember, dem Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, feiert das Priesterseminar seinen Seminarfeiertag gemeinsam mit dem Bischof.

Am Vorabend wird der Festtag mit einer Vigil bei Kerzenschein eröffnet. So bleibt die Marienverehrung bis heute lebendig – in der Hausgemeinschaft und für viele Menschen, die aus aller Welt in diese Kirche kommen.

7. Weitere Kunstwerke entdecken

Auch abseits von Hochaltar und Fresken gibt es im Kirchenraum zahlreiche Details zu entdecken.

Die Kanzel

Die Kanzel aus Stuckmarmor zeigt bereits klassizistische Anklänge. Der Kanzelkorb ist durch Pilaster gegliedert und mit Symbolen des Priestertums versehen. Ein Putto mit dem aufgeschlagenen Evangelium bekrönt die Kanzel.

Die Seitenaltäre

Die Seitenaltäre sind unter anderem dem heiligen Nikolaus von Tolentino, dem heiligen Sebastian sowie Maria vom Trost und Maria, der Mutter vom Guten Rat, gewidmet.

Der heilige Josef

In einer Nische auf der Nordseite steht eine etwa lebensgroße Holzfigur des heiligen Josef mit dem segnenden Jesuskind. Die Figur entstand um 1770/75.

Das Wandkreuz am Weihwasserkrug

An der Nordseite hängt ein lebensgroßes Kreuz, in dem ein Partikel des Heiligen Kreuzes Jesu Christi eingelassen ist. Es stammt aus dem Jahr 1782.

8. Die Orgelempore – Der Blick zurück

Wer sich nun zur Empore umdreht, entdeckt die historische Orgel der Kirche.

Die Orgel wurde 1774 von Johann Heinrich und Johann Philipp Stumm aus der berühmten Hunsrücker Orgelbauerfamilie Stumm erbaut.

Ihr mächtiger Prospekt besteht aus fünf halbkreisförmig vorspringenden Türmen und dazwischenliegenden harfenförmigen Feldern.

Das Instrument verfügt über 34 mechanische Register auf zwei Manualen und Pedal und gehört zu den wenigen weitgehend original erhaltenen Spätbarockorgeln Mitteleuropas.

Ein kleines Detail

Schauen Sie nun in die Mitte der Orgelempore. In einem Rocailleschild ist ein brennendes Herz dargestellt, flankiert von zwei Engeln.

Das brennende Herz ist ein wichtiges augustinisches Symbol: Es verweist auf die leidenschaftliche Suche des heiligen Augustinus nach Gott und auf die innere Sehnsucht des Menschen nach der Wahrheit.

Bis heute erklingt die Orgel bei Gottesdiensten und Konzerten in der Seminarkirche.

Schauen Sie noch einmal nach oben

Bleiben Sie noch einen Moment unter der Orgelempore stehen und schauen Sie nach oben. Hier entdecken Sie drei weitere Szenen aus dem Leben des Patriarchen Jakob: seinen Traum von der Himmelsleiter, die Aufrichtung des Steins von Bet-El und sein Trankopfer.

Jakob erfährt in seinem Traum, dass Gott gegenwärtig ist – auch dort, wo der Mensch ihn nicht erwartet. Er weiht den Ort, nennt ihn Bethel, „Haus Gottes“, und kehrt später zurück, um Gott dort Opfer darzubringen.

Die Szenen verweisen damit auch auf die Kirche als „Haus Gottes“ – einen Ort der Gegenwart Gottes, des Gebets und der Begegnung mit ihm.

9. Ein Raum als Gesamtkunstwerk

Wenn Sie sich nun noch einmal umdrehen und in Richtung Hochaltar blicken, wird der Zusammenhang der einzelnen Elemente sichtbar.

Architektur, Skulptur, Fresken und Ausstattung erzählen gemeinsam von der Heilsgeschichte und führen den Blick immer wieder auf Christus und die Allerheiligste Dreifaltigkeit.

„Consummatum est“ – Es ist vollbracht

Vielleicht ist Ihnen beim Rundgang eine Aussage besonders deutlich geworden:

„Consummatum est – Es ist vollbracht.“

Am Hochaltar steht dieser Satz unmittelbar bei der Darstellung des gekreuzigten Christus. Von hier aus lässt sich das Bildprogramm der ganzen Kirche lesen: Die Heilsgeschichte, die im Alten Testament vorbereitet wird, findet in Christus ihre Erfüllung.

Maria, die Augustinerheiligen, die alttestamentlichen Gestalten und die zahlreichen Engel und Putten stehen nicht einfach nebeneinander. Sie sind Teil eines großen theologischen Zusammenhangs.

Die Allerheiligste Dreifaltigkeit erscheint bereits an der Fassade, über dem Hochaltar und im Deckenprogramm. So verbindet sich das äußere Erscheinungsbild der Kirche mit ihrer Ausstattung und ihrem theologischen Programm.

Die Kirche erzählt damit nicht nur die Geschichte des heiligen Augustinus. Sie erzählt die große Geschichte der Erlösung – von den Verheißungen des Alten Testaments über Christus bis zur Vollendung des Heils.

Die Seminarkirche ist deshalb nicht nur ein herausragendes Beispiel des Rokoko. Sie ist ein Raum, der durch seine Kunst eine theologische Geschichte erzählt.

Mehr entdecken

Wer sich ausführlicher mit der Seminarkirche beschäftigen möchte, findet auf unserer Homepage weitere Informationen zu einzelnen Themen:

  • Die Geschichte der Seminarkirche
  • Die Fassade und das Klosterportal
  • Der Innenraum und seine Ausstattung
  • Die Fresken von Johann Baptist Enderle
  • Die Stumm-Orgel
  • Das ehemalige Augustinerkloster und heutige Priesterseminar

Einen ausführlichen Kirchenführer können Sie in der Kirche erwerben.

Für den Erhalt der Seminarkirche sind Spenden herzlich willkommen.

Öffnungszeiten

Die Seminarkirche ist in der Regel zu folgenden Zeiten geöffnet:

  • Montag bis Freitag: 8–17 Uhr
  • Samstag: 9–14 Uhr

An Sonn- und Feiertagen, zwischen den Jahren sowie in besonderen Ausnahmefällen bleibt die Kirche geschlossen.

Bitte beachten Sie, dass die Öffnungszeiten kurzfristig abweichen können.

Kirchenführer, Postkarten und Spenden

An der Pforte des Priesterseminars in der Augustinerstraße 34 können Sie während der Öffnungszeiten einen ausführlichen Kirchenführer sowie verschiedene Post- und Weihnachtskarten erwerben.

Für den Erhalt und die Pflege unserer Seminarkirche sind wir dankbar für Ihre Spende. Eine Zuwendungsbescheinigung stellen wir Ihnen auf Wunsch gerne aus.

Eine Spende ist auch direkt und kontaktlos über das Terminal am Marienaltar möglich.

Gottesdienste

Während der Vorlesungszeit der Johannes Gutenberg-Universität feiern wir in der Regel donnerstags um 18:30 Uhr eine öffentliche Eucharistiefeier in der Seminarkirche.

Herzliche Einladung!

Konzerte und Veranstaltungen

Die Seminarkirche steht auch für Konzerte und ausgewählte Veranstaltungen zur Verfügung.

Anfragen zur Nutzung der Kirche richten Sie bitte an das Sekretariat des Priesterseminars. Ob und unter welchen Bedingungen eine Veranstaltung möglich ist, hängt insbesondere von ihrem Charakter und dem damit verbundenen organisatorischen Aufwand ab. Für die Nutzung wird eine Raummiete erhoben.

Trauungen sind in der Seminarkirche grundsätzlich nicht möglich.