Mit dem Einsatz in einer Pfarrei beginnt im zweiten Kursjahr eine neue Phase des Pastoralkurses. Als Diakon und später als Kaplan verbindet der Neupriester seine Erfahrungen aus Studium und Pastoralseminar mit dem konkreten Alltag einer Pfarrei.
Die ersten Jahre im pastoralen Dienst sind eine Zeit des Lernens, des Ausprobierens und der zunehmenden Verantwortung. Dabei geht es darum, Sicherheit im eigenen Handeln zu gewinnen, Erfahrungen zu reflektieren und Schritt für Schritt einen eigenen pastoralen und priesterlichen Stil zu entwickeln.
Im Einsatz in der Pfarrei lernt der Diakon und später der Kaplan die unterschiedlichen Aufgaben des pastoralen Alltags kennen. Schritt für Schritt übernimmt er eigene Verantwortung und wird dabei von einem erfahrenen Pfarrer als Mentor begleitet.
Viele Fragen stellen sich erst in der Praxis: Wie gestalte ich meinen Arbeitsalltag? Wie setze ich Prioritäten? Wie gehe ich mit Konflikten um? Wie führe ich Gespräche oder leite eine Sitzung? Wie gelingt es, unterschiedliche Menschen und Perspektiven zusammenzubringen?
Die Berufseinführungsphase bietet Raum, solche Erfahrungen wahrzunehmen, zu reflektieren und daraus zu lernen.
Auch im weiteren Verlauf des Pastoralkurses bleibt Begleitung ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung. Mentor, Pastoralteam, geistliche Begleitung, Supervision und das Ausbildungsteam unterstützen dabei, den eigenen Dienst verantwortlich zu gestalten und die persönlichen Erfahrungen einzuordnen.
Dabei geht es auch um eine gute Balance im eigenen Leben. Gebet, Eucharistie, geistliche Begleitung, Zeiten der Stille und Exerzitien helfen, die eigene Beziehung zu Christus zu vertiefen. Ebenso wichtig sind Erholung, Freundschaften und ein guter Umgang mit den eigenen Grenzen.
Die Erfahrungen aus dem pastoralen Alltag werfen neue Fragen auf und eröffnen neue Perspektiven. Deshalb endet die theologische und pastorale Bildung mit dem Studienabschluss nicht.
Verschiedene Pastoralkursmodule greifen Erfahrungen aus dem Dienst auf und verbinden sie mit theologischer und pastoraler Reflexion. Dazu gehört auch eine Sozialraumerkundung, die den Blick für die Menschen, Lebenswirklichkeiten und Möglichkeiten vor Ort schärft.
Auf dieser Grundlage entwickeln die Kapläne ein eigenes pastoral-praktisches Projekt in ihrer Pfarrei. Sie planen es, setzen es um und reflektieren die Erfahrungen daraus. So entwickeln sie ihre Fähigkeiten weiter und gewinnen Sicherheit im Umgang mit neuen pastoralen Herausforderungen.
Auch im weiteren Verlauf der Kaplanszeit werden wichtige Bereiche des priesterlichen Dienstes vertieft. Dazu gehören unter anderem Kirchenrecht sowie Fragen der Pfarrleitung und -verwaltung.
Die Berufseinführung soll dazu beitragen, den eigenen Weg im priesterlichen Dienst zu finden. Dabei geht es nicht darum, den Stil eines anderen Priesters zu übernehmen. Vielmehr gilt es, die eigenen Fähigkeiten und Charismen zu entdecken, kreativ zu werden und sie in den Dienst Christi und der Menschen zu stellen.
So wächst mit der Zeit ein eigener priesterlicher Stil – getragen von Berufung, Erfahrung und Begleitung und mit dem Blick auf Christus und die Menschen, denen der Priester anvertraut ist.
Am Ende der Berufseinführungsphase steht mit dem Pfarrexamen die abschließende Vertiefung und Überprüfung wichtiger Kenntnisse und Fähigkeiten für den priesterlichen Dienst.
