Seminarkirche und Kloster

Seminarkirche

Rokoko in besonderer Vollendung

Mitten in der Mainzer Altstadt, unweit des Hohen Doms, erhebt sich die prachtvolle rote Sandsteinfassade der Seminarkirche zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit, die bis heute auch als Augustinerkirche bekannt ist. Der im 18. Jahrhundert errichtete Neubau gehört zu den bedeutenden Rokokokirchen in Mainz und verbindet wirkungsvoll inszenierte Architektur mit einem reichen Bildprogramm.

Die Fassade orientiert sich an den großen römischen Jesuitenkirchen, während ihre Detailformen deutlich vom süddeutschen und mainfränkischen Barock geprägt sind. Das Kirchenportal liegt, von Doppelsäulen flankiert, in einer ungewöhnlich hohen Nische hinter der Bauflucht der benachbarten Häuser. Die Gestaltung lässt die Kirche als „Zelt Gottes unter den Menschen“ erscheinen (Offb 21,3).

Über dem Portal entfaltet sich ein aufwendig gestaltetes theologisches Programm: Maria wird von Christus zur Himmelskönigin gekrönt, während darüber die Allerheiligste Dreifaltigkeit mit Gottvater, Christus und dem Heiligen Geist dargestellt ist. Begleitet wird die Szene von zahlreichen Engeln und Putten.

Die Kirche entstand an der Stelle einer ursprünglich gotischen Klosterkirche aus dem 13. Jahrhundert. Diese war im 18. Jahrhundert baufällig geworden. Auf Initiative des Mainzer Erzbischofs und Kurfürsten Emmerich Joseph von Breidbach-Bürresheim wurde die „Bettelkirche“ durch einen repräsentativen Neubau ersetzt. Nach intensiven Beratungen mit den Augustinern wurde die Kirche dabei in die Bauflucht der Augustinerstraße einbezogen. Die mittelalterliche Kirche war traditionell nach Osten ausgerichtet. Beim Neubau wurde diese Ausrichtung zugunsten einer städtebaulichen Einbindung in die Augustinerstraße aufgegeben.

Der Neubau entstand zwischen 1768 und 1771. Mehrere Stifter beteiligten sich an seiner Finanzierung. 1776 war der Kirchenbau vollständig abgeschlossen, 1779 wurde die Kirche eingeweiht. Der Name des Architekten ist nicht überliefert.

Von der Augustinerkirche zur Seminarkirche

Mit der Säkularisation wurde das Augustinereremitenkloster 1803 aufgehoben. Das ehemalige Klostergebäude stand anschließend leer und wurde 1805 dem ersten Mainzer Bischof Joseph Ludwig Colmar zur Einrichtung eines Priesterseminars übergeben. Seit dieser Zeit ist die Kirche Teil des Mainzer Priesterseminars und dient als dessen Seminarkirche.

Die Verbindung von Kirche und Priesterseminar prägt den Ort bis heute. Neben den Gottesdiensten des Priesterseminars finden in der Kirche auch Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen statt.

Krieg und Wiederaufbau

Die Augustinerkirche gehört zu den wenigen Kirchen der Mainzer Altstadt, die die schweren Bombenangriffe vom 27. Februar 1945 nahezu unversehrt überstanden haben. Besonders bedeutend ist, dass auch die wertvollen Deckenfresken erhalten blieben.

Lediglich Brandbomben zerstörten die Fenster. Die Schäden konnten so schnell behoben werden, dass bereits 1946 wieder Gottesdienste in der Kirche gefeiert wurden – zu einer Zeit, in der große Teile der Mainzer Altstadt noch in Trümmern lagen.

Im 19. und 20. Jahrhundert wurde die Kirche mehrfach restauriert. Dabei mussten unter anderem Schäden an der Außenfassade und den Fresken behoben werden; zeitweise stellte auch Schwammbefall ein erhebliches Problem dar. Zwischen 1987 und 1995 wurde die Kirche unter Beteiligung der kirchlichen und staatlichen Denkmalpflege umfassend renoviert. Dabei wurde die ursprüngliche Farbigkeit der Raumschale wiederhergestellt und die Deckenfresken restauriert.

Seminarkirche und ehemaliges Augustinerkloster heute

Heute bilden die Augustinerkirche und die erhaltenen Klostergebäude ein einzigartiges Ensemble inmitten der Mainzer Altstadt. Die Kirche ist zugleich Ort des Gebets und Gottesdienstes, Zeugnis der Geschichte des ehemaligen Augustinerklosters und ein herausragendes Beispiel spätbarocker und rokokozeitlicher Kunst.

Auf den folgenden Seiten finden sich vertiefende Informationen zu einzelnen Kunstwerken, zur Architektur und zur Geschichte des Ensembles.

Die Fassade – Ein barockes Glaubensprogramm

Die zweigeschossige Fassade aus rotem Mainsandstein ist der auffälligste Teil der Augustinerkirche. Sie gliedert sich durch ionische Pilaster in eine breite Mittelbahn und zwei schmalere Seitenbahnen und wird von einem hohen, in Voluten auslaufenden Giebel bekrönt.

Die massiven Türen aus Eichenholz schließen mit flachen Bögen. Besonders reich ist die Mittelachse gestaltet. Das Portal wird von Doppelsäulen gerahmt und von zahlreichen Skulpturen und Putten begleitet. Architektur und Skulptur sind dabei zu einer zusammenhängenden theologischen Aussage verbunden.

Maria, Augustinus und Monika

Auf einem mit Engelsköpfen geschmückten Wolkenband schwebt Maria. Begleitet wird sie von zahlreichen Putten. Neben dem Portal erscheinen der heilige Augustinus, der Patron des ehemaligen Klosters, und seine Mutter, die heilige Monika.

Im Zentrum der Darstellung steht die Krönung Mariens. Christus erscheint mit dem Kreuz in der Hand, während Maria zu ihm emporsteigt. Gottvater ist als ehrwürdige Gestalt im langen Gewand dargestellt. Über ihm schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube. Aus der Dreifaltigkeitsgruppe bewegt sich ein Engel mit einer Krone auf Maria zu.

Die Skulpturen wurden um 1770 geschaffen; der Bildhauer ist nicht bekannt. Stilistisch weisen sie ebenso wie die gesamte Fassadenkonzeption in den süddeutschen und mainfränkischen Raum.

In der Mittelachse befindet sich außerdem das Wappen des Erzbischofs und Kurfürsten Emmerich Joseph. Die Gestaltung der Fassade greift zugleich Motive des älteren Klosterportals auf und steht damit in der Tradition repräsentativer Mainzer Barockarchitektur.

Glockenturm und Glocken

Über dem Chor erhebt sich ein zweigeschossiger oktogonaler Glockenturm mit einer charakteristischen Zwiebelhaube. Er ergänzt die ansonsten eher ruhig gehaltene Außenarchitektur und prägt die Silhouette der Kirche.

Zum Geläut gehören drei Glocken:

  • Sankt Alexander, gegossen 1771 von Johann Martin Roth in Mainz, 210 kg, Ton des″
  • Sankt Prosper, gegossen 1771 von Johann Martin Roth in Mainz, 106 kg, Ton f″
  • Sankt Johann Baptist und Paulus, gegossen 1715 von Georg Christoph Roth in Mainz, 54 kg, Ton b″

Die Glocke Sankt Johann Baptist und Paulus stammt aus der Kirche St. Georg in Mainz-Bretzenheim. Die dort bis dahin nicht mehr verwendete Glocke passt tonlich genau zu den beiden älteren Glocken und fügt sich auch aufgrund ihrer gemeinsamen Mainzer Herkunft in das bestehende Geläut ein. Seit 2015 ist sie Teil des Geläuts der Seminarkirche. Damit konnte die seit 1917 bestehende Lücke geschlossen und das ursprüngliche dreistimmige barocke Geläut wieder vervollständigt werden.

Der Innenraum – Architektur und Bildsprache

Der Innenraum der Augustinerkirche überrascht durch seine Helligkeit, seine fließenden Formen und seine reiche Rokokoausstattung. Hohe Fenster tauchen den Saalbau in Licht. Langhaus und Chor gehen durch verschleifende Rundungen ineinander über, sodass der Raum ohne harte architektonische Zäsur auf den Hochaltar zuläuft.

Auffällig ist, dass nur wenige Ausstattungsstücke in den Kirchenraum hineinragen. Die Kanzel bildet hier eine Ausnahme. Beichtstühle und Seitenaltäre sind in Wandnischen eingefügt und folgen den Rundungen der Architektur.

Reicher Stuck schmückt die Wände und das Gewölbe. Auf dem Gesims finden sich zahlreiche Putten, teilweise mit Schriftbändern. Der Name des Stuckateurs ist nicht überliefert.

Der Hochaltar

Der monumentale Hochaltar aus Stuckmarmor bildet den Mittelpunkt des Kirchenraumes. Er ist als Baldachinaltar gestaltet und folgt einem halbkreisförmigen Grundriss. Auf jeder Seite tragen drei hoch aufragende korinthische Säulen das Gebälk, über dem sich ein kunstvoller Volutenbaldachin erhebt.

Im Mittelpunkt steht die Kreuzesabnahme Christi. Die dramatische Komposition orientiert sich am berühmten Gemälde von Peter Paul Rubens in der Kathedrale von Antwerpen.

An den Seiten erscheinen zwei alttestamentliche Vorausbilder des Opfers Christi: Abraham, der unmittelbar vor der Opferung seines Sohnes Isaak steht, und der Hohepriester Melchisedek mit den Opferbroten und dem Weingefäß.

Über der Kreuzesabnahme erscheint die Allerheiligste Dreifaltigkeit. Zu Füßen Gottvaters zerreißt ein Putto den „Schuldschein der Menschheit“ (Kol 2,14). Eine Tafel beim Engel trägt die Worte „Consummatum est“ – „Es ist vollbracht!“. Das Wort Jesu am Kreuz (Joh 19,30) verweist auf die Vollendung seines Erlösungswerkes. Zusammen führen beide Darstellungen vor Augen, dass Christus durch seinen Tod die Erlösung des Menschen vollendet hat. Zugleich verweist der Altar auf die Vergegenwärtigung dieses Opfers in der Eucharistie.

Auf dem Tabernakel ist Christus als Opferlamm auf dem Buch mit den sieben Siegeln dargestellt.

Die Altarinsel – Liturgie heute

Vor der historischen Chorschranke befindet sich die in der jüngeren Vergangenheit geschaffene Altarinsel. Sie wurde im Zuge der großen Innenrenovierung nach den Vorgaben der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils gestaltet und erweitert den Chorraum bewusst in Richtung der Gottesdienstgemeinde.

Die zweistufige, runde und zungenförmige Altarinsel nimmt einen Zelebrationsaltar und einen dazu passenden Ambo aus Metall auf. Ergänzt wird die Ausstattung durch ein Stehkreuz desselben Künstlers und aus demselben Material. Die Gestaltung ist bewusst zurückhaltend gehalten und fügt sich in den historischen Kirchenraum ein, ohne mit der reichen Rokokoausstattung in Konkurrenz zu treten.

Mit der neuen Altarinsel wurde das nach der Liturgiereform zunächst verwendete Holzprovisorium ersetzt. Der Altar ist von allen Seiten umschreitbar und steht näher bei der Gemeinde. Die Zelebrationsrichtung ist dadurch auf die Gottesdienstgemeinde hin ausgerichtet.

So verbindet sich an dieser Stelle die historische Gestalt der Seminarkirche mit der heutigen Liturgie: Der barocke Hochaltar bleibt als herausragendes Kunstwerk und Ort des Tabernakels erhalten, während die Altarinsel dem heutigen Verständnis der gemeinsamen Feier der Liturgie Rechnung trägt.

Seitenaltäre und weitere Ausstattung

Die Seitenaltäre sind unter anderem den Heiligen Nikolaus von Tolentino und Sebastian sowie verschiedenen Marientiteln gewidmet, darunter Maria vom Trost und Maria, die Mutter vom Guten Rat.

In einer Nische auf der Nordseite steht eine etwa lebensgroße Holzfigur des heiligen Josef mit dem segnenden Jesuskind auf dem Arm. Die um 1770/75 entstandene Figur fügt sich in die Rokokoausstattung der Kirche ein.

Eine besondere Kostbarkeit befindet sich in der gegenüberliegenden Nische: die etwa lebensgroße gotische Marienstatue aus Lindenholz aus dem Jahr 1420. Das Jesuskind auf dem Schoß der Gottesmutter spielt mit einem Vogel. Die Darstellung gilt als herausragendes Beispiel des sogenannten „Weichen Stils“, der sich durch die sanften, fließenden Formen und die elegante Haltung der Figuren auszeichnet.

Die Statue trägt ein vergoldetes Gewand und konnte 1793 aus der brennenden Liebfrauenkirche gerettet werden. Seitdem ist sie mit der Geschichte der Mainzer Kirchenlandschaft eng verbunden und lädt bis heute Menschen zum Gebet ein.

Die Kanzel besteht aus Stuckmarmor und zeigt bereits deutlich klassizistische Anklänge. Der Kanzelkorb wird durch Pilaster in drei Felder gegliedert, die mit Symbolen des Priestertums geschmückt sind. Ein Putto mit dem aufgeschlagenen Evangelium bekrönt die Kanzel.

An der Nordseite hängt ein lebensgroßes Kreuz. Ein eingelassener Kreuzpartikel verweist auf das Jahr 1782.

Die Fresken – Das Leben des heiligen Augustinus

Das große Rokokogewölbe der Augustinerkirche wird von einem umfangreichen Freskenprogramm beherrscht. Die Gemälde stammen von Johann Baptist Enderle aus Donauwörth. Die Fresken gehören zu den bedeutendsten Kunstwerken der Kirche.

Enderles Signatur ist am Deckengemälde erhalten. Eine besondere Bedeutung kommt den Fresken auch deshalb zu, weil sie die schweren Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs überstanden haben.

Das Chorfresko

Im Chor ist die Taufe des heiligen Augustinus dargestellt. Der Bischof Ambrosius von Mailand spendet ihm das Sakrament. Begleitet wird Augustinus von seiner Mutter Monika, seinem Freund und Taufpaten Verecundus sowie seinem Sohn Adeodatus.

Über der Taufszene erscheint als Höhepunkt des Bildprogramms die Allerheiligste Dreifaltigkeit.

Das Langhausfresko

Das große Langhausfresko zeigt den heiligen Augustinus in verschiedenen Rollen und verbindet seine Vita mit seiner Bedeutung für die Kirche.

Augustinus erscheint unter anderem als Kirchenlehrer, als Vater der Ordensleute, als Verteidiger des christlichen Glaubens und als „Schüler der Wahrheit“. Im Zentrum steht die thronende Gottesmutter mit dem Jesuskind. Der Heilige Geist ist auf der Brust des Kindes dargestellt. Gottvater erscheint darüber, während der heilige Augustinus zu seinen Füßen kniet.

In den Lünetten sind zwölf Ordensheilige dargestellt. Auf den Gewölbefüßen finden sich in reich verzierten Rokokokartuschen zwanzig Tugendallegorien.

Szenen aus dem Alten Testament

Unter der Orgelempore wird das Bildprogramm durch drei Szenen aus dem Leben des biblischen Patriarchen Jakob ergänzt: Jakobs Traum von der Himmelsleiter (Gen 28,17), die Aufrichtung des Steins, auf dem Jakob geschlafen hatte (Gen 28,18), und sein Trankopfer auf dem Weg nach Bethel (Gen 35,14).

Jakob erfährt in seinem Traum, dass Gott gegenwärtig ist – auch dort, wo der Mensch ihn nicht erwartet. Er weiht den Ort, nennt ihn Bethel, „Haus Gottes“, und kehrt später zurück, um Gott dort Opfer darzubringen.

Die Szenen verweisen damit auch auf die Kirche als „Haus Gottes“ – einen Ort der Gegenwart Gottes, des Gebets und der Begegnung mit ihm. Zugleich verbinden sie das Leben des heiligen Augustinus mit der biblischen Heilsgeschichte und machen den gesamten Kirchenraum zu einem zusammenhängenden theologischen Bildprogramm.

Die Stumm-Orgel

Auf der Empore befindet sich eine der bedeutendsten historischen Orgeln der Mainzer Altstadt. Sie wurde 1774 von Johann Heinrich und Johann Philipp Stumm aus der berühmten Hunsrücker Orgelbaufamilie Stumm erbaut.

Der mächtige Prospekt wird durch fünf halbkreisförmig vorspringende Türme und dazwischenliegende harfenförmige Felder geprägt. Ein hohes Sockelgeschoss verbindet die einzelnen Teile zu einer eindrucksvollen Gesamtgestaltung.

Auch die Orgelempore selbst ist reich gestaltet. Sie ruht auf zwei Säulen und besitzt eine geschweifte Brüstung. Im Mittelfeld ist in einem Rocailleschild ein brennendes Herz dargestellt, das von zwei Engeln flankiert wird – ein typisches religiöses Bildmotiv des Barock und Rokoko, das für die Liebe zu Gott und die Hingabe des Menschen steht.

Die Orgel verfügt über 34 mechanische Register auf zwei Manualen und Pedal. Sie gehört zu den wenigen weitgehend original erhaltenen Spätbarockorgeln Mitteleuropas. Besonders bemerkenswert ist, dass wesentliche Teile des Instruments bis heute in ihrem historischen Zustand erhalten sind.

Bis heute wird das Instrument für die musikalische Gestaltung der Gottesdienste in der Seminarkirche genutzt.

Das ehemalige Augustinerkloster – heute Priesterseminar

Hinter der Kirche und dem reich geschmückten Klosterportal liegt das ehemalige Augustinerkloster. Die Klosteranlage gehört heute zum Bischöflichen Priesterseminar Mainz und ist ein außergewöhnlich gut erhaltenes Zeugnis der Geschichte des Augustinerklosters in Mainz.

Die mittelalterlichen Klosterbauten waren 1649 zu großen Teilen abgebrannt. Erst rund ein Jahrhundert später konnte mit einem umfassenden Neubau begonnen werden. Die Bauarbeiten starteten 1737 und wurden in mehreren Bauabschnitten über einen Zeitraum von etwa 16 Jahren ausgeführt. Trotz der einzelnen Bauabschnitte folgt die Anlage einem einheitlichen architektonischen Konzept.

Die schlichte zweigeschossige Klosteranlage – am Ostflügel dreigeschossig – gruppiert sich um einen überbauten Kreuzgang. Nach Osten öffnet sich ein dreigeschossiger Dreiflügelbau. Die Anlage zählt zu den am besten erhaltenen historischen Klosteranlagen der Mainzer Altstadt.

Die Augustiner waren ein Bettelorden, weshalb die Klosterräume im Vergleich zu repräsentativen Fürstenbauten eher zurückhaltend ausgestattet wurden. Einige Räume erhielten jedoch aufwendige Stuckdecken, darunter der mit Rokokoornamenten geschmückte Kapitelsaal.

Das Klosterportal

Zwischen den Bürgerhäusern der Augustinerstraße und dem schmalen Augustinergässchen verbirgt sich hinter dem reich geschmückten Klosterportal das große Areal der ehemaligen Klosteranlage.

Das Portal bildet einen besonderen Höhepunkt der Mainzer Rokokokunst. Architektur und Skulptur sind eng miteinander verbunden. Roter Sandstein, heller Skulpturenschmuck, geschnitzte Eichenholztüren und das Schieferdach bilden eine charakteristische Farbharmonie.

Die Fassade bewegt sich in lebhaften Vor- und Rücksprüngen. Geschweifte, gesprengte und verkröpfte Gesimse verstärken den bewegten Eindruck.

Im Zentrum steht Maria mit dem Jesuskind unter einem Wolkenband. Rechts erscheint der heilige Nikolaus von Tolentino mit einem Almosenkörbchen, links der heilige Johannes a Sancto Facundo von Sahagún mit einem Messkelch, in dem ihm der Überlieferung zufolge das Jesuskind erschienen sein soll.

Die Skulpturen werden Nikolaus Binterim zugeschrieben.

Der Bibliothekssaal

Im Nordflügel befindet sich der historische Bibliothekssaal. Die Wände werden von umlaufenden Bücherregalen aus Eichenholz eingenommen. Holzpilaster gliedern die Regale. Auf ihren Konsolen befindet sich in etwa drei Metern Höhe eine Galerie mit reich geschnitzter Balustrade.

Auch das Deckengemälde nimmt Bezug auf die Welt des Wissens. Auf einem Wolkenkranz erscheinen allegorische Darstellungen von Architektur, Medizin, Gesang, Astronomie, Geometrie und Musik. Eine geschwungene Galerie mit Augustinermönchen und anderen Personen rahmt die Szene.

Kartuschen mit lateinischen Distichen ergänzen das Bildprogramm. Im Zentrum des Deckengemäldes befindet sich das Auge Gottes in einem Dreieck als Symbol der Dreifaltigkeit. Heute wird dieser Bereich teilweise vom modernen Lüster verdeckt.

Der Kreuzgang

Der Kreuzgang verbindet die einzelnen Bereiche der ehemaligen Klosteranlage. Die heute noch dort befindlichen Darstellungen von Augustinerheiligen entstanden zwischen 1750 und 1756 und gehören damit zur Ausstattung des historischen Klosters.

Ein Ort mit Geschichte

Die Seminarkirche und das ehemalige Augustinerkloster verbinden auf engem Raum mehrere Jahrhunderte Mainzer Stadt-, Kirchen- und Kunstgeschichte. Gotische Klostertradition, süddeutscher Barock, Rokoko, die Geschichte der Säkularisation und die Nutzung als Priesterseminar seit 1805 gehören ebenso zu diesem Ensemble wie seine weitgehende Bewahrung im Zweiten Weltkrieg.

Wer die Kirche besucht, kann daher nicht nur einen außergewöhnlich reich ausgestatteten Rokokoraum entdecken, sondern zugleich einen Ort, an dem sich die Geschichte der Mainzer Augustiner und die bis heute bestehende Verbindung mit dem Priesterseminar unmittelbar ablesen lassen.

Weitere Informationen und vertiefende Erläuterungen finden Sie auf den einzelnen Themenseiten. Einen ausführlichen Kirchenführer können Sie in der Kirche erwerben. Für den Erhalt der Seminarkirche sind Spenden herzlich willkommen.

Öffnungszeiten

Die Seminarkirche ist in der Regel zu folgenden Zeiten geöffnet:

  • Montag bis Freitag: 8–17 Uhr
  • Samstag: 9–14 Uhr

An Sonn- und Feiertagen, zwischen den Jahren sowie in besonderen Ausnahmefällen bleibt die Kirche geschlossen.

Bitte beachten Sie, dass die Öffnungszeiten kurzfristig abweichen können.

Kirchenführer, Postkarten und Spenden

An der Pforte des Priesterseminars in der Augustinerstraße 34 können Sie während der Öffnungszeiten einen ausführlichen Kirchenführer sowie verschiedene Post- und Weihnachtskarten erwerben.

Für den Erhalt und die Pflege unserer Seminarkirche sind wir dankbar für Ihre Spende. Eine Zuwendungsbescheinigung stellen wir Ihnen auf Wunsch gerne aus.

Eine Spende ist auch direkt und kontaktlos über das Terminal am Marienaltar möglich.

Gottesdienste

Während der Vorlesungszeit der Johannes Gutenberg-Universität feiern wir in der Regel dienstages 7 Uhr und donnerstags um 18:30 Uhr eine Heilige Messe in der Seminarkirche. Herzlich willkommen!

Läuteordnung Seminarkirche Mainz

Konzerte und Veranstaltungen

Die Seminarkirche steht auch für Konzerte und ausgewählte Veranstaltungen zur Verfügung.

Anfragen zur Nutzung der Kirche richten Sie bitte an das Sekretariat des Priesterseminars. Ob und unter welchen Bedingungen eine Veranstaltung möglich ist, hängt insbesondere von ihrem Charakter und dem damit verbundenen organisatorischen Aufwand ab. Für die Nutzung wird eine Raummiete erhoben.

Trauungen sind in der Seminarkirche grundsätzlich nicht möglich.