Gebet & Anbetung

Gebet & Anbetung

nach einem geistlichen Impuls von P. Spiritual Clemens M. Löcher SJ

Gott anbeten heißt, bereit zu sein, mit geöffneten Händen und geöffnetem Herzen vor Ihm zu stehen, ihm das zu geben, was ich habe und von ihm zu empfangen. Im Gebet brauche ich nicht zu sehr zu suchen. Das verrät Ungeduld. Ich muss nichts tun. Gebet ist Warten. Das Warten ist Ausdruck meiner Menschlichkeit und Unzulänglichkeit. Ich kann das Kommen Gottes nicht erzwingen. Beten heißt, meine Selbstbestimmung aufzugeben und mich Gott zu übergeben, mit den Augen des Glaubens den Blick weg von mir selbst auf den unsagbar guten Gott zu richten.

Gebet ist „Zeitverschwendung“, Verschwendung des eigenen Selbst. Gebet heißt, sich selbst zu vergessen und sich vor Ihm niederzuwerfen, sich Ihm in höchster Achtung und Weise auszuliefern. In rechter Weise zu beten gelingt mir nicht aus eigener Kraft, sondern nur in der Wahrheit, im Heiligen Geist, den Gott in unsere Herzen gelegt, uns geschenkt hat. Ihn darf ich vor dem Gebet bitten, dass ich mich von meinen Sorgen und Wünschen löse und mich selbst in der Hingabe an Ihn vergesse. Oder ich versuche mich in das aufopferungsvolle Gebet Jesu zum Vater hineinzuversetzen. Dabei brauche ich nicht krampfhaft nach Ergriffenheit zu suchen, sondern in Bescheidenheit vor Gott treten und Ihn so wie Thomas im Evangelium („Mein Herr und mein Gott“, Joh 20,28) anbeten. Dieser Herr ist im sichtbaren Altarsakrament ganz gegenwärtig.

Man kann die Anbetung in drei Phasen einteilen. In der ersten werde ich mir der Liebe Gottes bewusst. Er liebt mich so, wie ich bin und nicht, wie ich sein soll. Beten heißt, sich der Liebe Gottes preisgeben. Gott weiß, wie menschlich ich bin, deshalb ist er in seiner unendlich großen Liebe zu uns in Jesus Christus Mensch geworden.
In einer zweiten Phase bitte ich darum, diesen Jesus Christus besser zu erkennen, Ihn mehr zu lieben und Ihm enger nachzufolgen. Paulus schreibt in seinem Brief an die Galater: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“ (Gal 2,20).
In einer dritten Phase versuche ich zu entdecken, zu spüren, dass Gott die Mitte allen Seins ist. Gebet heißt: Ja sagen zur Wirklichkeit. Ich kann nicht beten, wenn ich nicht bereit bin, wenn ich nicht wenigstens die Sehnsucht verspüre, mich Gott ganz auszuliefern, Ihm uneingeschränkte Freiheit einzuräumen. Dann wird mein Gebet trocken, trostlos und verkrampft. Ich muss bereit sein, für das österliche Geheimnis von Tod und Auferstehung Jesu Christi zu leben.

Wenn mein Gebet zu etwas (freudlos) Geleistetem wird, wird es unecht, zu einer Illusion. In blinder Hartnäckigkeit bete ich weiter und erwecke den Anschein einer „frommen Heiligkeit“. Aber Gebet muss zu etwas Gelebtem werden. Ich bete, weil ich innerlich offen dafür bin, dass Er an mir handelt. Anbetung kann gelingen, wenn sie Frucht in meinem Leben trägt, eine Kraftquelle ist. Daher muss meine Lebensweise mit meinem Gebet übereinstimmen. Die Schwierigkeiten beim Beten sind oft Scheinschwierigkeiten, Lebensschwierigkeiten. Gebet verursacht keine Spannung.

Dietrich Bonhoeffer schreibt dazu in einem Brief: „Es kommt wohl alles auf das ‚in Ihm‘ an. Alles, was wir mit Recht von Gott erwarten, erbitten dürfen, ist in Jesus Christus zu finden. […] Wir müssen uns immer wieder sehr lange und sehr ruhig in das Leben, Sprechen, Handeln, Leiden und Sterben Jesu versenken, um zu erkennen, was Gott verheißt und was er erfüllt. […] Zu all dem hat Gott sein Ja und Amen gesagt. Dieses Ja und Amen ist der feste Boden, auf dem wir stehen.“

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