Wie erkenne ich meine Berufung?

Gott ruft jeden, aber mit anderer Stimme“.

Dieser Satz des Dominikaners Yves Congar macht deutlich, dass die Berufung durch Gott etwas sehr Persönliches ist. Sie setzt ein offenes Ohr für die Stimme Gottes voraus. Wie erkenne ich sie?

Dabei kann eine Idee des Jesuiten Josef Maureder helfen. Er unterscheidet den dreifachen Klang der Stimme Gottes:

  •  der tragende Klang: meine persönliche Lebensgeschichte,  Stärken und Schwächen, mein Charakter
  •  der bewegende Klang: meine persönlichen Werte, Ideale und Wünsche, meine Sehnsüchte
  •  der beunruhigende und lockende Klang: dort, wo ich von objektiven Stimmen berührt und zum Handeln herausgefordert werde, z.B. durch ein Wort der Bibel, das Gespräch mit anderen, die Menschen in Not.

Es kommt darauf an, diese drei Klänge immer mehr in Übereinstimmung zu bringen, um dann eine Wahl und Lebensentscheidung zu treffen. Wer sich entscheiden will, muss zunächst lernen zu unterscheiden. Das braucht Zeit und ein Leben, in dem Gott Raum hat, damit ich seine Stimme wahrnehmen kann, z.B. durch

  •  eine (tägliche) Zeit in der Stille,
  •  das persönliche Gebet (Lob, Dank, Bitte),
  •  das Lesen in der Hl. Schrift,
  •  die Meditation
  •  das persönliche Nachdenken und Reflektieren
  •  Gespräche mit (einem) Menschen meines Vertrauens, z.B. in der Geistliche Begleitung
  •  Wüstentage und Exerzitien
  •  der Einsatz für andere.

Im Leben gibt es oft mehrere Alternativen, zwischen denen ich mich entscheiden muss. Nur so ist eine echte und freie Wahl möglich. Manchmal kann es helfen, sich vorzustellen, eine Entscheidung gefällt zu haben und dann zu beobachten, ob ich damit glücklich bin und inneren Frieden finde. Ist das nicht der Fall, sollte die Möglichkeit ernsthaft überdacht und gegebenenfalls revidiert werden. Etwas zu entscheiden heißt auch, Abschied zu nehmen von anderen Lebensmöglichkeiten und Wegen. Das kann auch Trauer bedeuten. Ob eine Wahl richtig ist, lässt sich daran erkennen, dass der innere Friede, aber auch Freude und Liebe zu Gott und Mensch wachsen. Das hilft, den gewählten Weg immer entschiedener zu gehen.

Vgl. Josef Maureder, S. 30 – 47.57-63, besonders 34.45-47.58-63.